Quali-Hochspannung: Stefanie Kirchmayr steuerte zielstrebig die Vollmitgliedschaft auf der Ladies European Tour 2012 an und erfüllte sich mit einer reifen Leistung über gesamt neun Qualifikationsrunden einen Lebenstraum. Die Spielerin vom Nürnberger GC Reichswald holte sich bei der Qualifying School in Spanien nach fünf Runden der Final Stage mit 70/73/72/69/73 (gesamt -3) den umjubelten geteilten vierten Platz und damit die begehrte Tourkarte für die grossen Turniere in Europa. Damit hat die 26jährige Aufsteigerin nun die Chance, erfolgreich an den teils attraktiven Preistöpfen der LET zu partizipieren. Auch Miriam Nagl (GC Berlin Semlin) hatte bis zuletzt Chancen, sich unter die besten 30 Qualifikantinnen zu spielen, verlor aber in einem dramatischen Playoff den schon fast sicher geglaubten rettenden Zähler.
Hart an der Cutgrenze der 30 Besten des Feldes kämpfte am Finaltag die in Berlin spielende Deutsch-Brasilianerin Miriam Nagl. Sie rangierte nach fünf Runden von 71/75/78/71/73 einen Zähler innerhalb des projektierten Cuts, der nicht weniger als das Wohl oder Wehe für die begehrte Tourkarte bedeutete. Aber zuviele Kombattantinnen landeten auf Rang 29. Also musste ein Stechen entscheiden. In einem dramatischen Playoff verlor Nagl dann denkbar knapp. Nur genau die besten 30 erhielten schliesslich nach der letzten Runde am 19.Januar die begehrte Tourkarte.
Von den vier deutschen Damen, die nach vier Vorrunden den Einzug in die Final Stage schafften, haben auf den Plätzen South-Course und North Course in La Manga nahe Murcia, Spanien die Amateurin Franziska Blum sowie Jaqueline Dittrich den Einzug in die letzten beiden Runden verpasst.
Dittrich und Blum hatten in der Final Stage desaströse Zweitrundenergebnissen von 81 und 80 abgeliefert, konnten danach lediglich jeweils 76 und 75 Zähler nachlegen und damit ihre Chancen auf die LET-Tourkarte bereits minimiert. Die siegreiche 24jährige Engländerin Jodi Ewart schrumpfte nach Runden von 70/67/67/73/73 und gesamt 11 unter Par ihren Vorsprung von sieben auf zwei Zähler. Eine Sensation schaffte die Schweizer Amateurin Anais Magetti mit gesamt neun unter Par und Rang zwei.

Ganz vorn: Jodi Ewart
Die Journalistin Stefanie Härtel hat auf der Internetseite des Bayerischen Golfverbandes ein filigran gezeichnetes Portrait der 26jährigen publiziert:
Golf Talent ganz ohne Allüren
Stefanie Kirchmayr will Profi Golferin werden
Bedienen wir mal die Klischees und begeben uns auf die Suche nach dem typischen Golfspieler: Der besticht zunächst einmal durch seine Optik. Edle Treter, feine Stoffhose, Polohemd oder schicke Bluse müssen es sein. Geld hat der gemeine Golfer ebenfalls wie Heu. Und Urlaub gemacht wird nur in den teuersten Golf-Ressorts der Welt, in Neuseeland zum Beispiel oder in Thailand. Oder wie wäre es vielleicht mit den Seychellen?
Dann treffen wir auf Stephanie Kirchmayr. Und sämtliche Klischees zerplatzen wie eine Seifenblase. In Jeans und T-Shirt begrüßt uns die Golf-Nationalspielerin am Nürnberger Hauptbahnhof. Und obwohl sie gerade erst von einem stationären Krankenhausaufenthalt in der Noris zurückkommt, quasi nur auf der Durchreise ins heimische Pocking ist, versprüht sie sofort gute Laune und wirkt alles andere als gestresst oder irgendwie etepetete. Das mit den Vorurteilen stört die großgewachsene Brünette, die seit Januar 2006 für den GolfClub am Reichswald startet, schon. «Es ist zwar inzwischen besser geworden, aber trotzdem wird der Golfsport in Deutschland immer noch häufig als elitär angesehen», bedauert die 24-Jährige. «In den USA zum Beispiel ist das komplett anders.» Stephanie Kirchmayr weiß, wovon sie spricht, immerhin verbringt sie einen Großteil des Jahres in den Staaten. In Charleston im US-Bundesstaat South Carolina studiert sie Wirtschaft und
Tourismusmanagement, ist Mitglied der dortigen Campus-Mannschaft. «Ich habe das Glück, dass ich durch meine sportlichen Erfolge ein Stipendium bekommen habe. Davon kann ich meinen Lebensunterhalt in den Staaten bestreiten», erzählt Kirchmayr und räumt mit einem weiteren Vorurteil auf. «Als Amateur verdienst du mit Golf kein Geld. Da musst du es erst zu den Profis schaffen.»
Eigentlich könnte man meinen, dass Kirchmayrs Weg in den Golfsport bereits früh vorgezeichnet war. Immerhin ist sie in einer Region groß geworden, die schon lange vom Golftourismus lebt. Aufgewachsen ist die talentierte Sportlerin im niederbayerischen Pocking, nur wenige Kilometer entfernt vom Golf-Mekka Bad Griesbach. «Mein Vater und meine Brüder haben mich schon als Kind mit auf den Golfplatz genommen,
allerdings hat mich der Sport nicht wirklich interessiert bis ich zwölf Jahre alt war», gesteht Kirchmayr. Golfspielen, das bedeutete für sie damals eher eine nette Spielerei mit ihrem grossen Bruder.

«Wenn wir auf dem Grün standen, haben wir immer nur darum gekämpft, wer die Bälle am schnellsten aus dem Korb hauen kann», erinnert sie sich und lacht. «Unser Trainer hat uns dann immer Strafrunden laufen lassen. Und bei uns am Golfplatz waren wir als Chaos-Duo verschrien.» Der Ehrgeiz packte sie erst, als es darum ging, bei den Bayerischen Mannschaftsmeisterschaften starten zu dürfen. «Dazu brauchte man ein Handicap von 36, und um das zu erreichen, habe ich dann fast jeden Tag trainiert», erinnert sich Kirchmayr. Danach ging alles seinen Lauf. Der Berufung in den bayerischen Kader folgte bereits mit 15 Jahren die Nominierung für die Frauen-Nationalmannschaft, mit der sie im Juli diesen Jahres in Slowenien Europameister wurde – ein Novum in der Geschichte des Deutschen Golf Verbandes (DGV).
Gerne erinnert sich Kirchmayr – inzwischen liegt ihr Handicap bei 3,8 – an das Turnier zurück, bei dem es ihr Team bis zum Schluss spannend machte. «In der Qualifikation wären wir zunächst fast ausgeschieden, sind gerade noch unter den Top Acht ins Finale eingezogen», erzählt sie. «Im Anschluss haben wir gegen Schweden und Spanien jeweils erst am letzten Loch gewonnen. Und im Finale dann die Engländerinnen im Stechen besiegt.» Doch Kirchmayr will mehr. Ihr Studium wird sie im Dezember abschließen, aber an einen
«normalen» Beruf verschwendet die ambitionierte Bayerin momentan noch keine Gedanken. «Mein großes Ziel ist es, Profi-Golferin zu werden», erzählt sie ganz offen und erklärt, wie’s geht. «Um mit dem Golfspielen richtig Geld zu verdienen, muss man es in den Staaten auf die LPGA-Tour (Ladies Professional Golf Association-Tour, Anm. der Red.) schaffen oder sich alternativ in Europa für die Ladies European Tour qualifizieren.»
Die Qualifikationsturniere für die amerikanische LPGA-Tour starten im Herbst. «Im Dezember weiß ich dann, ob ich dabei bin. Wenn ich es in den USA nicht schaffe, versuche ich es in Januar mit den Qualifikationsturnieren in Europa.» Kirchmayr ist bewusst, dass es nicht leicht wird, sie weiß aber genauso gut um ihre Fähigkeiten. «Vieles hängt natürlich von der Tagesform ab, das ist mir schon klar. Aber so, wie ich momentan drauf bin, denke ich, dass ich es schaffen kann.» Dann greift sie nach ihrem Rucksack und verabschiedet sich in Richtung Pocking. «Ich freue mich jetzt drauf, meine Familie und meine Freunde wiederzusehen, auch wenn’s nur für ein paar Tage ist.» Bei allen Vorurteilen und Klischees, die hierzulande noch gegenüber Golfern herrschen mögen, sieht auch Kirchmayr den großen Pluspunkt, den ihre bayerische Heimat gegenüber den Staaten hat. «In den USA sind die Leute zwar vielen Dingen gegenüber sehr aufgeschlossen und offen. Aber in Deutschland geht es dafür nicht so oberflächlich zu. Und es entstehen mehr gute Freundschaften.»









